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“Ihr Grattler, ihr Banditen…”

Der Rottaler (mitunter auch die Rottalerin) im Allgemeinen ist ein sehr direkter Mensch, der kaum mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Und so habe ich heute schon ein wenig schmunzeln müssen, als ich in der Zeitung las, dass ein 51-jähriger Handwerker vom Amtsgericht Eggenfelden wegen Beleidigung eines Finanzbeamten zu einer Geldstrafe von 225 Euro verurteilt wurde.

Als der Finanzbeamte bei dem Handwerker mit einem Vollstreckungsbescheid wegen nicht geleisteter Beiträge zur Sozialversicherung auftauchte, machte dieser seinem Zorn Luft und warf dem Finanzbeamten verbal entgegen: “„Ihr Grattler, ihr Banditen – ihr traut’s euch nur zu uns Kleinen“. Hier der Link zum Artikel: Rottaler Anzeiger, 17.03.2010.

Unabhängig davon, dass das Verhalten des Handwerkers selbstverständlich nicht in Ordnung und völlig undifferenziert war, sprach er aber mit dem Hinweis “Ihr traut’s euch nur zu uns Kleinen” aus, was viele denken: Die kleinen Leute werden solange gepiesackt, bis alle Forderungen bezahlt sind. Aber was passiert mit den “Großen”? – Man hat schon ein wenig den Eindruck, dass in diesem Land vor dem Gesetz nicht alle gleich sind.

Ein Beispiel: die Diskussion um die Steuerflucht in die Schweiz. Vermutlich tausende Deutsche bringen ihr Vermögen ins Ausland, um es am deutschen Fiskus vorbei zu verstecken und wenn sie dann Gefahr laufen, dass alles auffliegt – aber auch nur dann – werden sie reumütig geständig und zeigen sich selbst an. Wenn sie nach der Selbstanzeige alle ihre Steuerschulden bezahlen, gehen sie letzten Endes straffrei aus und das, obwohl sie sich vorher strafbar gemacht haben.

“Freikaufen” kann man das nennen und es ist, wie es immer ist: Sobald der “Mammon” fließt, gibt’s die Absolution. Das ist beim Finanzamt wohl nicht anders als bei der katholischen Kirche. Alles, was man dazu braucht, ist eben das nötige Kleingeld. Und wer selbiges nicht hat, der bekommt die ganze Härte des Gesetzes zu spüren…

Insofern hat der Handwerker vermutlich auch nicht ganz unrecht mit seinem Geschimpfe. Und die 225 Euro waren es ihm wohl wert, mal ordentlich gegen “die da oben” zu rebellieren.

  1. Seba
    18. März 2010, 01:03 | #1

    Geb ich dir voll und ganz Recht Tom, es darf einfach nicht sein das man nur weil man Kapital hat sich von Finanzdelikten freikaufen kann…

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